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Stressmanagement- & Mentalcoaching M.Sc. Andreas Rose (Psychologe)

 


Führung in der Pflege?

Ist das moderne Führung?

Aus aktuellem Anlass ist es mir wichtig, wieder zum Thema Führung zu schreiben. Hintergrund ist der folgende Post auf einer Facebookseite für Pflegekräfte(https://www.facebook.com/WirsinddasGesundheitswesen):

Anonymer Text an uns einer Geschäftsführerin eines wirklich großen und bekannten Pflegeunternehmen (über 1300 Mitarbeiter in Deutschland).

Bitte um folgendes Posting:

Da viele es vergessen haben, hier nochmal das 1x1 des Berufslebens !

1. Gehaltserhöhungen gibt es bei guter und/oder überdurchschnittlicher Leistung... nicht durch Jammern !
2. Ich habe als Arbeitnehmer auch PFLICHTEN und nicht nur Rechte !
3. Ja es gibt wenig Pflegekräfte, aber damit seid ihr nichts besonderes... Fachkräftemangel herrscht in jeder Branche !
4. Pünktlichkeit, Sauberkeit, Anstand, Respekt sind ein MUSS im Berufsleben!
5. Blau machen ist ein NO GO !

Liebe Pflegekräfte... nicht nur fordern und jammern sondern auch LEISTUNG zeigen !

Ende“

sowie:

Annoyme Nachricht der Geschäftsführerin eines großen Pflegeunternehmens in Deutschland:

Hallo Pflegekräfte, da mein letztes Statement ja für ziemlich viel Unmut gesorgt hat (Was aber nicht anders zu erwarten war) versuche ich jetzt nochmal ganz klar darzustellen dass alles was ich gesagt habe nicht nur der Realität entspricht sondern auch weitergetragen werden sollte….

Ich war vor meiner Tätigkeit als angestellte Geschäftsführerin mit einem ambulanten Pflegedienst in NRW tätig…. Ich bin zwischen 40-50 Jahre Alt und habe über 20 Jahre Erfahrung in der Pflege….
Ja, es ist richtig das eine Pflegekraft in der Regel zu wenig verdient und die Arbeitsbedingungen vor allem in großen Pflegeheimen oft schlecht sind – DAS WEISS ICH UND DA STIMME ICH ZU!!!!
ABER: Folgenden Individuums/Persönlichkeiten habe ich erlebt:
1. Jeden Morgen schlechte Laune (und das merkte der Kunde)
2. Ungepflegtes auftreten (Jogginghose)
3. Während dem Dienst dauerhaft das Handy in der Hand (sogar am Patientenbett)
4. Rauchend im Pflegedienstauto (Trotz klarem verbot)
5. Um halb 6 Krankmeldungen zum Frühdienst welcher um 6 beginnt (Gründe wie Erkältung etc.) Es kann immer was Akutes sein aber Erkältungen etc. sind nichts Akutes, das merkt man auch schon ein paar stunden vor Dienstbeginn… aber es soll ja dramatisch klingen das es auch geglaubt wird….
6. Auch ist es in der Pflege die Regel das das Heim oder der Pflegedienst sich den Diensten des Partners anpasst (Oft sind es ja Männliche Partner und oft sind diese in Industrieberufen) …Dort heißt es dann: Bei meinem Mann kann keiner seine Dienste verschieben oder ähnliches…Pech, da muss halt auch der Partner mal bei seinem AG Jammer – Aber nein, gejammert wird nur in der Pflege !
7. Ich muss bis heute jeden Monat mindestens 3 Pflegekräften erklären das Lange Fingernägel nichts in der Pflege verloren haben…. Das sollte das normalste der Welt sein!!!!
Und zum Gehalt: Mein Gott versteht endlich das eure Leistunden von Kranken- und Pflegekassen refinanziert werden, es ist NICHT euer ARBEITGEBER, der euch nicht gut bezahlen möchte, es sind Kranken- und Pflegekassen die eure Leistung nicht gerecht Finanzieren !!!! Beschwert euch also bei den Kassen...Ja schreibt doch mal einen Brief zu den Kassen....Ach ne, das wäre ja ein Lösungsorientierter Ansatz...Jammern ist einfacher.... So, und jetzt bin ich mal auf das gejammer unter diesem Post gespannt....“


Das ist keine professionelle Führung. Zuerst finde ich es sehr schade, dass die Person nicht mit ihrem eigenen Namen hinter ihren Aussagen steht. Wenn ich schon Führungskraft bin, sollte ich auch zu meinen Meinungen selbstsicher stehen können.

Der zweite Punkt: Als Führungskraft habe ich eine Vorbildfunktion. Die Texte sind aus meiner Sicht, ich entschuldige den Ausdruck mal im Voraus, emotionaler Dünnpfiff. Hier schreibt eine Führungskraft, die sich in eine Opferrolle begibt, das mit schlechten Erfahrungen begründet und die Schuld nach außen (genauer auf die Krankenkassen) schiebt.

Eine Führungskraft sollte als Erstes sich selbst führen können. Diese hier bemängelt Einzelheiten ihrer Angestellten auf niedrigstem Niveau mit einer Rechtschreibung, die dringend nachgearbeitet werden sollte. Das ist kein angemessenes Vorbild!

Weiterhin ist das Suchen nach Schuld von außen kein Verhalten, dass eine Führungskraft so zeigen sollte. Im Endeffekt zeigt sie den Mitarbeitern nur, dass man für eigene Fehler nicht gerade stehen muss. Ein Kollege von mir sagte mal sehr schön formuliert: „Wenn eure Vorgesetzten jammern, dass Sie kein Geld für eine angemessene Bezahlung ihrer Angestellten haben: Schaut euch einfach ihre Autos und Häuser an.“

Aber abgesehen davon: Wer verhandelt denn die Kostensätze zur Refinanzierung mit den Krankenkassen? Wohl kaum die Pflegekräfte.

Insgesamt zeigt diese Führungskraft in diesen Beiträgen keine ausreichende Führungskompetenz. Sie steht weder hinter ihren Mitarbeitern, noch übernimmt sie Verantwortungen oder sucht selbst nach Lösungen. Sie zeigt damit aber eines sehr gut: Wie Führung nicht geht!

In Reaktion darauf gab es auch noch einen weiteren Beitrag einer anderen Führungskraft:


Anonym:

Hallo mein Name ist...... Ich finde die von Ihnen angeregte Diskussion sehr sehr mutig. Ich bin selbst Pflegedienstleitung in der außerklinischen Intensivpflege und mache auch diese Erfahrungen wie sie die Geschäftsführerin schildert. Gerne würde auch ich Ihnen die Erfahrungen schicken. Bei uns bekommen die Pflegekräfte über 2200€ netto + Zulagen+ bonis. Es gibt aber wirklich auch Pfeifen die kein Verantwortungsbewusstsein haben und nur ihre Rechte, aber nicht ihre Pflichten kennen. Da wird einem schon mal Knall hart ins Gesicht gesagt, dass man sich eben krank meldet. In der 1:1 Pflege hat erst neulich eine junge Pflegekraft geschlafen im Nachtdienst. Die Folge war ein Dekubitus bei der Patientin. Man spricht sie darauf an und fragt höflich woher die Wunde kommt, man erhält keine Antwort, sondern die Krankmeldung und nach 4 Wochen die Kündigung.

Vorstellungsgespräche:

Erst letzte Woche hatte ich wieder ein geniales Erlebnis.

Das erste was einem gesagt wird ist das man noch viele Bewerbungsgespräche hat. 2. keine Nachtdienste 3. 24,47€ Brutto verlangen + Dienstwagen. Er war frisch examiniert. Wir bekommen 32€ Brutto von der KK für eine Versorgung.

Es ist schwer als PDL bei Pflegefehlern Konsequenzen zu ziehen. Wenn man das macht, kündigt die Mitarbeiter/innen sofort. Andererseits ist man angewiesen auf das Personal da sonst die Zuverlässigen überlastet werden. Ich springe inzwischen selbst um alle Mitarbeiter zu entlasten. Auch ich könnte ewig so weiter schreiben und wir tun wirklich fast alles für unsere MA's“


Dieser Post klingt insgesamt schon ein Stück differenzierter. Aber auch hier werden Mitarbeiter als „Pfeifen“ abgewertet, einer jungen Pflegekraft wird das Verursachen eines Dekubitus (Druckgeschwür) angelastet. Durch Schlafen. Statt zu klären, ob es Rahmenbedingungen gibt, die eventuell dazu geführt haben.

Ja, die Bewerber entsprechen nicht den Vorstellungen der Führungskraft? Dann ist das so, es gibt bestimmt Einrichtungen, die die Rahmenbedingungen bieten können. Oder der Bewerber kommt irgendwann doch wieder, weil er sich verzockt hat. So ist das in einem freien Markt, keine Einrichtung hat Anspruch darauf, ihre Wunschbewerber zu bekommen.

Auch hier ist es die Aufgabe einer Führungskraft zu überzeugen. Vielleicht auch auf anderen Bereichen als den Finanziellen. Kreativ zu sein.

Hier zeigt sich mal wieder ein Knackpunkt im deutschen Gesundheitswesen: Wir haben es selten mit gut ausgebildeten Führungskräften zu tun. Oft entscheiden Vitamin B, Bereitschaft zur Weiterbildung oder einfach gute Präsentation nach außen darüber, wer Führungskraft ist.

Das soziale und personale Kompetenzen ganz oben stehen, ist bei vielen Unternehmen anscheinend noch nicht angekommen.

Was sagt Ihr dazu? Würdet Ihr für eine dieser Führungskräfte überhaupt arbeiten wollen?

Ich bin auf eure Meinung gespannt!

Beste Grüße,

Andreas Rose